„Hinsehen und NOCH EINMAL genau hinsehen …

und beschreibend bleiben … bis zu einem Handlungsimpuls“ bezeichnet den Ursprung allen Reinholdschen ‚philosophieren‘.

Hinsehen tut doch jeder! So kommentieren konformistische Laien und Profis diesen ‚GrundSatz‘. Beide machen aus den sachdienlichen Hinweisen ‚hinsehen‘ und ‚beschreibend bleiben‘ marginale Floskeln. D. h. sie gehen davon aus, bereits hinlaenglich zu wissen, wovon hier die Rede ist. Im Rahmen der Praxis des herrschenden Wissensverstaendnisses interpretieren sie ‚hinsehen‘ mit ‚beobachten‘ und ‚beschreiben‘ mit ‚erklaeren‘: Sie sind daran gewoehnt, Wissen bzw. Wissenschaft ideen- bzw. theoriegeleitet aufzufassen und praktizieren diesen aus ihrer Sicht einzig möglichen Sachverhalt ganz selbstverstaendlich. (Vgl. u. a.  Rudolf Lochner: Deutsche Erziehungswissenschaft. Meisenheim am Glan 1963, 1-38.) Das was sich dem zeigt, der hinsieht, dient lediglich der Korrektur von Ideen und Theorien.

Anders bei RR: „Hinsehen und NOCH EINMAL genau hinsehen …  und beschreibend bleiben … “  ist Ursprung des ‚philosophieren‘ (RR: ‚GrundSatz‘). Die daraus entspringende Philosophie als auch der Philosoph bzw. die Philosophin sind ’skeptisch‘, wenn ’skeptisch‘ als ‚bezogen auf Zutreffendes‘ interpretiert wird. RR’s  Sprachgebrauch ‚hinsehen‘ orientiert sich an dem Gebrauch des altgriechischen ‚Verbs sképtesthai‚ »schauen, spaehen; betrachten«, das mit ’spaehen‘ urverwandt ist.‘ (Vgl. Duden – Das Herkunftswoerterbuch. Etymologie der deutschen Sprache , 3. Auflage. Mannheim, Leipzig, Wien, Zuerich: Dudenverlag 2006.) In dieser Hinsicht verweist der ‚GrundSatz‘ auf die Mitbedeutung ’sehen‘, ‚forschen‘, ‚untersuchen’… usw.

RR unterscheidet ferner ‚hinsehen‘ von ‚erkennen‘ und redet vom ‚Handlungsimpuls‘, wo traditionelle Philosophen von ‚Handlungstheorien‘ sprechen. ‚Handlungsimpuls‘ verweist bei RR auf den Kontext neurophysiologische ‚Plastizitaet‘ und deren steuernde Funktion fuer Entscheidungen (Vgl. RR ’neuronale Grundfunktionen) . Dieses naturwissenschaftliche Forschungsgebiet als Basis liegt philosophisch noch weitgehend brach. ‚hinsehen tut doch jeder‘ fungiert eher als Schutzschild vor moeglichen Infragestellungen geisteswissenschaftlicher bzw. metaphysischer Auffassungen. Laien und Profis signalisieren damit, wie sehr sie in erworbenen Vorstellungen feststecken, an die sie von Kindesbeinen an gewoehnt worden sind. ‚Sie sehen nicht, was sie nicht sehen.‘ (Heinz von Foerster) und  ‚Erfahrung macht blind ‚ sind die dazu passenden Rätsel, deren Lösungen weltweit ausstehen.

Sie sollten sich fuer diese Unterscheidungen z. B. folgenden Rahmen vorstellen, wenn Sie sich mit dem ‚philosophieren‘ von RR vertraut machen moechten: ‚hinsehen‘ unterscheidet sich von ‚erkennen‘ so wie im Maerchen ‚Des Koenigs neue Kleider‘ (Hans Christian Andersen) das Verhalten des Kindes von dem der Erwachsenen. Die Erwachsenen – gewoehnt an fragloses ‚uebernehmen‘ von Sichten anderer – applaudieren gehorsam dem neuen (Kleider-)Staat ihres Koenigs. Einzig ein – noch weitgehend unverbildetes – Kind ruft aus:„Aber er hat doch gar nichts an!“

‚hinsehen‘ im Sinne von RR heisst ‚verzichten‘ auf das, was Erziehung und Bildung Menschen als Wissen lehren. Lehren bzw. Belehrungen sind Interpretationen, die im Rahmen eines bestimmten Weltbildes gueltig sind. Sie zu kennen, ist wichtig, um mit anderen klar zu kommen. Es entspricht z. B. einem christlichen Weltbild die Menschen in ‚gute‘ und ‚boese‘ einzuteilen. Kinder christlich gepraegter Eltern werden von letzteren an alltaeglichen Beispielen ihres eigenen ‚handeln‘ und dem anderer, an biblischen und weiteren geeigneten Erzaehlungen darueber ‚aufgeklaert‘, was sie darunter zu verstehen haben. Schliesslich werden sie mit Hilfe dieser Erklaerungen beim Hinsehen auf eigenes und fremdes Verhalten immer sicherer darin, ‚gut‘ von ‚boese‘ zu unterscheiden. Es hat sich eingebuergert,  dieses Zusammenfuegen von Erklaerungen und Gesehenem bzw. Gefuehltem als ‚erkennen‘ zu bezeichnen. Der Erkennungswert von Bekanntem gibt Sicherheit. Menschen halten deshalb daran fest. Professionelle Philosophen sprechen hier von ’synthetischen Urteilen‘ (z. B. Kant in seiner ‚Kritik der reinen Vernunft‘), die mit Notwendigkeit gefaellt werden.  Schliesslich ‚wissen‘ Kinder dann, was ‚gut‘ und ‚boese‘ ist. Daran orientieren sie sich als Erwachsene. Damit verzichten sie – ohne es selber entschieden zu haben – darauf, andere Sichtweisen gleichwertig in ihr Weltbild zu integrieren. Das Verhalten der Erwachsenen in Andersens Maerchen illustriert, mit welchen Folgen man dann rechnen muss: Menschen sehen das, was es nicht gibt bzw. geben vor, das zu sehen, was alle behaupten zu sehen. In unserer Geschichte gibt es viele Beispiele fuer aehnliche Folgen.

RR: „… Hinsehen und NOCH EINMAL genau hinsehen … und beschreibend bleiben … bis zu einem Handlungsimpuls“ Das ist etwas so einfaches, zumindest in seinem ersten Teil ‚hinsehen‘, dass jeder Mensch mit ein klein wenig Anleitung und Uebung den zweiten Teil ‚beschreibend bleiben bis …‘ jederzeit selber vollziehen kann …  so er moechte.

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Schulweisheit nuetzt nichts …



…, wenn man Rolf Reinholds ‚philosophieren‘ kapieren moechte. Das „Wissen“, das die Schulen lehren und Kinder gehorsam lernen, verschlieszt Augen und Ohren fuer das, was jeder Mensch hoert, fühlt und sieht und was die Basis dieses ‚philosophierens‘ ausmacht. Irgendwann endet so diese allgemein uebliche Einuebung in uebliche Sichtweisen. Menschen sind dann „wertvolle Mitglieder dieser Gesellschaft“. Sie tun und sehen, was sie sollen, anstatt dessen, was sie wirklich tun und sehen. Sie merken nicht mehr, dass sie sich fremdes „Wissen“ angeeignet haben. Sie halten ihre erworbenen Sichten und die der anderen auch wegen der Aehnlichkeit fuer das non plus ultra. Saetze wie „das muss man so sehen“ bzw. „das muss man so machen“ sind ihnen in „Fleisch und Blut“ uebergegangen. Menschen sind in aller Regel nicht in der Lage, Distanz dazu zu entwickeln. Es nuetzt daher auch nicht, ihnen Vorhaltungen zu machen, wenn sie konform sehen, fuehlen und handeln. Es ist fuer sie hilfreicher, wenn sie durch ‚erleben‘ und ’nachdenken‘ auf moegliches anderes ‚Wissen‘ aufmerksam gemacht werden. Welche Art von „Wissen“ ihnen weiterhelfen koennte, ist im Hinblick auf die verdeckten Wirkungen von konformem (Be-)Lehren und gehorsamem Lernen eine weitere, kaum beantwortbare Frage.

Glauben zu wissen, ist die Verfuehrung jeder „Wissenskultur“, auch der gegenwaertigen. Sie fuehrt dazu, dass Menschen glauben ‚mehr zu wissen‘ als Menschen frueherer Zeiten und anderer Kulturen. Ein hohes Bildungsniveau wird als Garant fuer mehr „Wissen“ betrachtet. Menschen fuegen sich gehorsam in das Bildungssystem und unterstellen, es bringe sie weiter. Im Hinblick auf Konformitaet und gesellschaftlichen Erfolg ist dies eine viel versprechende Annahme. Im Hinblick darauf, ob dieses „Wissen“ der Entwicklung von menschlichen Faehigkeiten dient, ist alles offen. Der Terminus „Wissen“ wird nicht reflektiert. Es ist ein Kennzeichen der oben beschriebenen Zusammenhaenge, dass daraus keine Schluesse fuer eine grundlegende Veraenderung gezogen werden. Daran ist niemand schuld, aber jeder ist dafuer verantwortlich.

Die physistische Philosophie Rolf Reinholds ist ein Angebot, dass aus Sackgassen moegliche Auswege und Antworten auf Fragen zeigen kann. Konsequentes Hinsehen auf das, was ich selber sehe und fuehle, ermoeglicht mir eigenes ’nachdenken‘ und Verzicht auf erworbenes „Wissen“. Im Uebrigen halte ich dieses „Wissen“ fuer Schall und Rauch. Was in unserer Kultur als „Wissen“ gilt, ist in Wirklichkeit eine bestimmte gemeinschaftlich geteilte Interpretation dessen, was Menschen unserer Kultur gewohnheitsmaeszig sehen und fuehlen. Der aufgeklärte, skeptische Blick  David Hume’s hat darauf schon vor 300 Jahren hingewiesen. Ein Blick auf andere Kulturen kann zeigen: Andere „wissen“ anderes. Die geforderte Konformitaet erwartet aber von jedem Einzelnen die Uebernahme einer bestimmten Interpretation. Ignoriert wird dabei, dass jeder die Welt individuell interpretiert, naemlich „… aus der Summe seiner Erlebnisse und Erfahrungen; …“  Das auf diesen Seiten dargestellte ‚philosophieren‘ leitet dazu an, sich an eigene Erlebnisse und Erfahrungen zu erinnern und daraus ein authentisches Weltbild entstehen zu lassen, anstatt mehrheitlich getragenen Sichten  gläubig zu folgen.

‚erleben‘ und ‚handeln‘ …



… bezeichnen in der Koerperphilosophie die beiden Aktivitaeten die eher schematisch menschlichem Input und Output entsprechen. Zwischen Input und Output geschieht quantitativ und qualitativ mehr „als alle Schulweisheit zu erfassen vermag“. Wenn die Koerperphilosophie Konzepte fuer menschliches ‚handeln‘, Resuemees fuer ’nachdenken‘ zur Verfuegung stellt, dann geht es hier nur um ein ‚reden‘ um Offensichtliches. Die Leser koennten sich hin- und hergerissen fuehlen, wenn sie philosophische Weisheiten finden moechten, um sich daran zu orientieren. Es wird oefter die Frage „Na, und?“ auftauchen. Leser werden auch Ideen, Annahmen und Behauptungen finden, zu denen sie sich verhalten koennen. Sie werden einem Philosophen begegnen, der sich den Gedankenaustausch mit anderen wuenscht, auch weil er seine Koerperphilosophie fuer sich allein so erschlagend findet. Und sie werden schlieszlich einer ganz jungen Koerperphilosophin – i. S. von „noch nicht lang dabei“ –  begegnen, der es gelungen ist, alte untaugliche metaphysisch gepraegte Sichten ueber Bord zu werfen und durch neue funktionale physistisch gepraegte Sichten zu ersetzen.

In der Koerperphilosophie wird der Mensch als ‚ganzes‘ und ‚beschreibbar‘ angesehen.  Es scheint nicht moeglich, den Menschen endgueltig zu bestimmen, so wie es Generationen lang geglaubt worden ist. Menschliches Leben ist vielfaeltig und veraenderlich. ‚endgueltig bestimmbare‘, d.h. fundamentale Aussagen wie die ontologisch-metaphysische Philosophie glaubte und glaubt sie formulieren zu koennen, duerften in hoechstem Masze irrtumsbehaftet sein. Philosophische Fundamentleger klammern z.B. die Vielfalt und Veraenderlichkeit aus – sie abstrahieren -, indem sie von Wahrheit und unveraenderlich Seiendem ausgehen. Die naeheren Bestimmungen von Wahrheit und unveraenderlich Seiendem enthalten hochspekulative (weit weg von Konkretem) Annahmen, die unterschiedlichste philosophische Theorien und Systeme hervorgebracht haben. Diese Spekulationen haben philosophierende Gemueter immer wieder so erhitzt, dass diese nicht gemerkt haben, wie duenn die Luft geworden war, die sie atmeten. Die meisten der gegenwaertigen Philosophen lehnen jede Art von metaphysischer Fundamental-Philosophie ab. Unter Philosophen des letzten Jahrhunderts tauchte sie im Zusammenhang damit auf, unveraenderliche Bedingungen fuer Letztbegruendungen und verlaessliches Wissen zu konstruieren. Damit verbindet sich oft die Vorstellung, sich den verworfenen Fundamenten wieder annaehern zu koennen. Husserl z. B. traute seiner Phaenomenologie zu, der Wahrheitsfindung zu dienen. Der Wahrheit auf der Spur bleiben zu koennen, duerfte auch das Kriterium ‚Falsifizierbarkeit‘ bei Popper dienen.  Vergleichbares findet sich in der Sprachphilosophie bzw. der Analytischen Philosophie oder bei Philosophen, die in der transzendentalphilosophischen Tradition stehen. Aussagen ueber fundamentale Bestimmungen des Menschen ueberlassen Koerperphilosophen den Religionen. Sie schlieszen jedoch religioesen Glauben vom ‚philosophieren‘ aus.  

Koerperphilosophen halten sich fern von spekulativen ‚Wirrtuemern‘. Ihr pragmatischer Ansatz ‚erleben‘ und ‚handeln‘ ergibt statt eines Fundaments zahlreiche Resuemees und ueberschaubare Konzepte, die sich auf konkretes menschliches Leben beziehen. „Diese Resuemees und Konzepte haben den Charakter von Behauptungen.“ (Rolf Reinhold) Sobald sich ein Anlass ergibt, werden sie modifiziert oder verworfen. Bisher unbemerkt gebliebene Aspekte koennen solch ein Anlass sein. Aber auch kritische Bemerkungen anderer veranlassen neues Nachdenken und Veraenderungen. Dies fuegt sich in die koerperphilosophische Tradition ein: „Jeder Schritt ist der erste.“  

Koerperphilosophen gehen von der Annahme aus: „zugaenglich ist jedem Menschen ausschlieszlich das, was dem Gehirn sensorisch uebermittelt wird“ (Rolf Reinhold). Daran sind die peripheren Sensoren genauso wie die inneren Sensoren beteiligt.  Koerperphilosophen gehen ferner davon aus, „dass eine individuelle Sicht der Dinge unumgehbar ist“ (Rolf Reinhold) Beide Annahmen koennen als Behauptungen ueber bzw. als Beschreibungen des ganzen Menschen gelten. Diese Annahmen sind nicht beliebig gesetzt, sondern sie ergeben sich aus ‚beobachten‘ des alltaeglichen menschlichen Tuns und ‚einbeziehen‘ von Forschungsergebnissen der Neurobiologie. ‚Geist‘ kommt in dieser Koerperwelt nicht vor. Jedoch bestreiten Koerperphilosophen ‚Geist‘ nicht. Sie klammern ihn aus, weil ‚Geist‘ sensorisch nicht uebermittelt wird. Es kann daher nicht gesagt werden, worin ‚Geist‘ bestehen soll. Aehnlich verfahren sie mit Vernunft, Verstand, Seele, … etc.

Wenn ‚Geist‘ ausgeklammert wird, neigen metaphysisch gepraegte Philosophen dazu, das Ende der Philosophie auszurufen. Sie neigen dann auch dazu, jede Art von philosophischer Ethik für beliebig zu halten. Aus Sicht der Koerperphilosophie duerfte das Ende  – aus oben genannten Bedenken – fuer jede Philosophie und jede philosophische Ethik gekommen sein, die metaphysisch gepraegten Denktraditionen und Dogmen folgt bzw. entlang entsprechender Kriterien  philosophiert. Koerperphilosophen dagegen halten ‚philosophieren‘ lebendig, weil sie ‚leben‘ mit einbeziehen. Sie stellen Resuemees fuer funktionierendes menschliches ‚handeln‘ zur Verfuegung, die jeder fuer sich erproben kann. Koerperphilosophen koennen entsprechend ihrer eigenen Kenntnisse andere anleiten, ihr ‚handeln‘ mit eigenem Ethos zu verbinden. Mit Ethos bezeichnet Rolf Reinhold all das, was Menschen fuer lebenswert halten. „Als Werte (Praeferenzen) bezeichne ich alle einmal vorgenommenen BeWertungen, die sich bei naeherem Betrachten (bisher mir) immer als AusWertungen von Erlebnissen erweisen. Entsprechend der altgriechischen Auffassung der aktiven Auswahl dieser Werte durch einen Menschen nenne ich dies auch ETHOS. … Werte sind wechselwirksam untereinander verknuepft. Das WertSystem ist als dynamisch und hyperkomplex zu bezeichnen, denn aufgrund ihrer Wechselwirksamkeit veraendern sich Werte, sobald sie bewusst gemacht werden und damit auch gleichzeitig verbundene Werte, die gerade nicht im Bereich der Aufmerksamkeit sind.“Rolf Reinhold

Rolf Reinhold und DIEPhilosophie



Rolf Reinhold fing an zu philosophieren, als sein Leben noch in den Kinderschuhen steckte. Seine Aeusserung im Religionsunterricht „Auch Moses war nur ein Mensch“ kann als einer von vielen Hinweisen dafuer gelten, dass ihm Autoritaetsglaeubigkeit stets fremd gewesen ist. Sein Resuemee, dass Menschen sich durch ihre Eigenheiten unterscheiden, veranlasste ihn ‚akzeptieren‘ anderer zu praktizieren.

Verwandte Ansaetze

Als er Jahrzehnte spaeter feststellte, dass seine Schlussfolgerungen aus seinem Hinsehen und Handeln eine Art zusammenhaengendes Ganzes ergab, das auch sein Beratungsangebot trug, stellte er bei seinen ersten philosophiegeschichtlichen Forschungen fest, dass er seine Art und Weise die Dinge zu sehen, teilweise in sensualistischen, konstruktivistischen, skeptischen und empirokritizistischen Philosophien wieder fand. Die Freude darueber Verwandtes zu finden, wurde getruebt durch die Tatsache, dass alle diese Philosophien randstaendig waren.

Philosophischer Mainstream

Wenn die Schlussfolgerungen lebenslangen eigenen Hinsehens und Handelns als nebensaechlich charakterisiert werden, worin besteht Philosophieren dann hauptsaechlich? Innerhalb von drei Jahren fand Rolf Reinhold erste brauchbare Antworten, die er mir zum Diskurs anbot, als wir uns vor 4 Jahren kennen lernten. Ich war damals eine Vertreterin der hauptsaechlichen Philosophie. D.h. ich ging ganz selbstverstaendlich davon aus, dass Menschen aus Koerper und Geist-Seele bestehen, dass „gut“ und „boese“, „richtig“ und „falsch“, notwendige und hilfreiche Kategorisierungen, dass „Objektivitaet“ und „Wahrheit“ sinnvolle Ziele seien. Inzwischen hat unser Diskurs mich dazu angeregt, jenseits meiner uebernommenen Dogmen meine eigenen Werte und physistischen Sichten zu entdecken. Ich habe nichts verloren, sondern Lebenswertes gewonnen. Wie es kam, dass ich mich auf diesen Diskurs einliess, erfahren Sie hier.

Charakteristika von DIEPhilosophie

Ausgehend von der Unterscheidung zwischen nebensaechlich und hauptsaechlich, lassen sich aus Reinholdscher Sicht folgende Merkmale fuer die hauptsaechliche Philosophie ausmachen – Rolf Reinhold bezeichnet sie auch als „DIEPhi“ bzw. als „philosophischen Mainstream“:

Der philosophische Mainstream

  1. haelt Metaphysik fuer Philosophie.
  2. handelt mit mythischen Denkfiguren
  3. pflegt Traditionelles

1.      Auch wenn Metaphysik nicht mehr ausdruecklich im Wortschatz der „DIEPhi“ vorkommt, lassen sich Merkmale und Vorgehensweisen finden, die ihre metaphysische Herkunft verraten. Es handelt sich dabei vor allem um die Auffassung, dass Menschen Koerper und Geist haetten. Philosophen, die sich darauf beziehen, bestehen auch darauf, dass Bewusstsein, Vernunft, Verstand und eine irgendwie geartete geistige Zugriffsweise brauchbare philosophische Werkzeuge zu sein haetten, da man sonst sinnvollerweise von Philosophie nicht mehr reden koenne. Sie geben stets der Theorie den Vorzug vor der Pragmatik und halten sie fuer dieser ueberlegen.Peter Bieriund Ernst Tugendhat koennen stellvertretend fuer viele gelten, die an Hochschulen und mit Veroeffentlichungen dafuer eintreten. Sie setzen Sichtweisen fort, die sich u.a. aus Kant’s Transzendentalphilosophieeiner „reinen Vernunft“ ergeben, die letztlich auf cartesianische, platonische und aristotelischeAnnahmen zurueckgehen.

2.      „DIEPhi“ operiert implizit mit Vorstellungen, dass „Geist“, “ Bewusstsein“, „Verstand“ und „Vernunft“ ein „Etwas“ sei. Daraus leitet sie weiter den Mythos ab, dass dieses „Etwas“ uns zum Macher unseres Handelns befaehige. Dabei spielt das „Ich“ eine zentrale Rolle, dem durch die Behauptung, dass es immer dasselbe sei, Konstanz und Dominanz unterstellt wird. Die Ergebnisse naturwissenschaftlicher Menschenforschungen werden von „DIEPhi“ daher im allgemeinen marginalisiert oder instrumentalisiert.

3.       „DIEPhi“ beschaeftigt sich demzufolge nicht mit einem konkreten Gegenstand des Forschens, sondern handelt mit Erklaerungsmodellen bzw. Theorien, die an traditionelle anknuepfen. Deren Brauchbarkeit fuer die Gegenwart wird fraglos vorausgesetzt. Die Distanz zu Problemen von Menschen heute wird so immer groesser. Der traditionelle Ballast der Sprache und Vorstellungen macht „DIEPhi“ unkapierbar.

EigentlichePhilosophie

Die Rolf Reinholdsche Alternative  EigentlichePhilosophie schliesst Metaphysik und Mythos aus und fordert auf zu den Dingen zu gehen, um aus gemeinsamen Hinsehen darauf Annahmen und Schlussfolgerungen zu finden, die ein gemeinsames Handeln – Forschen einschliesslich – besser funktionieren lassen, als dies DIEPhilosophie mit 2500 jaehrigem Ballast im Gepaeck leisten kann. Die Annahmen Rolf Reinholds sind reflektierter und jederzeit disponabler Inhalt seines Philosophierens. Aus seiner Sicht sollte EigentlichePhilosophie anstelle der zum Glauben gewandelten „DIEPhi“ die einzig akzeptierte sein.

Einen ähnlichen Rahmen zu philosophieren, hatte auch Hume  vor ungefähr 250 Jahren vorgeschlagen. Er verabschiedete sich von der traditionellen Philosophie weil sie seinen eigenen Forschungen und Schlussfolgerungen nicht entsprach.  Er hatte herausgefunden , …

„…, dass die Philosophie ueber menschliches Handeln seit der Antike mit derselben Unzulaenglichkeit arbeitet wie die Naturwissenschaften. …  Ich halte es inzwischen fuer eine Tatsache, dass die meisten verstorbenen Philosophen Opfer ihrer eigenen ueberragenden geistigen Faehigkeiten geworden sind. Außerdem bin ich sicher, dass man nicht viel mehr tun muss, um zu verwertbaren Ergebnissen zu kommen, als alle diese alten Vorurteile zugunsten der eigenen Meinung oder der anderer wegzuwerfen. Davon duerfte es letztlich abhaengen, ob meine Schlussfolgerungen fuer zutreffend gehalten werden oder nicht.“
David Hume: Brief an einen Arzt. Edinburgh 1734.

Konsequent sensualistisch


Die Gegenstände dieser Philosophie sind ausschließlich sinnlich erfaßbar

Diese Philosophie ist völlig frei von jeder Art von Glaubensinhalten und beschränkt sich in ihren
Aussagen auf das mit den Sinnen Erfassbare. Damit ist gesichert, dass der Gegenstand der Diskussion
gemeinsam betrachtet und über die von den Beteiligten daran gemachten Unterscheidungen
diskutiert werden kann.

Diese Einschränkung auf das sinnlich Erfassbare ergibt sich zwingend notwendig aus der
Beobachtung, dass über Glaubensinhalte zwar geredet, nicht aber diskutiert werden kann. Denn die
Glaubensinhalte jedes Menschen sind unveräußerlich und stehen nicht zur Disposition.

Damit entfällt innerhalb der Diskussion der Rückgriff auf den zentralen Begriff jedes Glaubens,
nämlich ‚Wahrheit‘ sowie alle davon unmittelbar oder mittelbar abgeleiteten.

Aus: Rolf Reinholds ETHOS – Projekt

Von „sinnlich Erfassbarem“ waren auch schottische, irische und französische Aufklärer wie Condillac, Berkeley und
Locke fürs Philosophieren ausgegangen. Während diese sich wieder in den Glaubensinhalten der Metaphysik
verirrten, hat es aus meiner Sicht nur Hume geschafft, sich ähnlich konsequent wie Rolf Reinhold sensualistisch zu
orientieren.

Die Bezeichnung ’sensualistisch‘ verwende ich für die Rolf Reinhold Philosophie in ihrer ausschließlich konkreten
Bedeutung ‚wahrnehmbar‘ . Andere Mitbedeutungen sind unzutreffend, die sich von ‚ein Merkmal bestimmter Erkenntnistheorien‘ ableiten.  Sie  entstammen dem metaphysischen Philosophieren,  das für die Rolf Reinhold Philosophie völlig ausgeschlossen wird.

Philosophie aus Erleben


Flexibel, weil …

  • … jede Schlussfolgerung eine Behauptung aus Erlebtem ist,
  • … jede Annahme, von solchen Behauptungen ausgeht,
  • … jede Behauptung Fragen aufwirft und
  • Wahrheit ein Maerchen ist, das  nicht erlebbar ist.

stimmig, weil …

  • … ‚hinsehen‘ und ‚erleben‘ ausgewertet werden.
  • … Werte so eigenbestimmt entstehen,
  • … ergo: ICH der einzige Massstab von ‚denken‘ und ‚handeln‘ ist

gründlich, weil …

  • … ‚hinsehen‘, ‚hinsehen‘ und nochmals ‚hinsehen‘ geuebt wird
  • … ‚eigene und fremde  Beobachtungen‘  ‚durch ‚hinsehen‘  geprueft werden
  • … jede moegliche Schlussfolgerung bzw. Überlegung miteinbezogen wird und
  • … Kritik anderer akzeptiert und reflektiert wird.

und koerperbasiert, weil …

  • … ‚erleben‘ koerperumfassend betrachtet wird,
  • … eigene Werte als Ergebnisse neurobiologischer Prozesse und Aktivitaeten aufgefasst werden,
  • … ‚reflektieren‘ und ‚denken‘ als Simulation von Organlagen angesehen werden und
  • … ‚handeln‘ und ’sprechen‘  den spontanen Output koerpereigenen Verarbeitens bezeichnen.